Von der „Notgemeinschaft Hettingen" zur „Neue Heimat eGmbH"

Das erste Versprechen von Pfarrer Magnani, Wohnraum zu schaffen, war trotz aller zu bewältigender Schwierigkeiten voll im Gange. So entstand aus der „Notgemeinschaft Hettingen“ das „Siedlungswerk beim Katholischen Pfarramt Hettingen“, aus der dann im Herbst 1946 die erste kirchliche Baugenossenschaft auf deutschem Boden, die „Neue Heimat eGmbH“ mit Verwaltungssitz in der Hettinger Pfarrscheuer.

Unter der energischen, tatkräftigen und vor allem unbürokratischen Leitung Pfarrer Magnanis erstand im Nu der erste Bauabschnitt:
14 Siedlungshäuser an der Straße nach Eberstadt, die bereits am 17. Oktober 1948 feierlich eingeweiht und bezogen wurden. Zwei weitere Bauabschnitte folgten.

Hettingen, das 1939 etwa 1300 Einwohner zählte, hatte schon große Wohnungsnot. Waren doch bereits während des Krieges fast 400 ausgebombte und evakuierte Personen aus den Städten zurück in die Heimat gekommen, so musste ab 1946 nochmals Raum für ca. 600 Flüchtlinge und Heimatvertriebene bereitgestellt werden. Dass hier große Wohnenge herrschte und so mancher gereizt und nervös war, ist nur zu gut zu verstehen.

 

Deshalb weigerte sich Pfarrer Magnani, als einige Nachbargemeinden nach dem Kriege neue Glocken anschafften, für Hettingen das Gleiche zu tun. Seine Devise war: Zuerst muss jede Familie einen „eigenen Herd“ haben, erst dann gibt es neue Glocken. 1950 wurde ein neues Geläut angeschafft.

Die Schaffung von Verdienstmöglichkeiten hatte, ebenso wie die Abhilfe der Wohnungsnot, oberste Priorität. So richtete Pfarrer Magnani in Hettingen eine Schreinerei, Schlosserei, und Schneiderei ein die jeweils mit Meister, Gesellen und Lehrlingen aus den Reihen der Heimatvertriebenen besetzt wurden.

All dieses Tun und Wirken, war nur durch das grenzenlose Gottvertrauen und den nimmermüden persönlichen Einsatz von Pfarrer Magnani sowie seiner ihn tatkräftig unterstützenden Gemeinde Hettingen möglich. Ihrem Gemeinschaftssinn gelang es, den Menschen, die Heimat, Haus, Hof und aller Güter verloren hatten, für das Verlorene in kurzer Zeit und im hohen Maße Ersatz zu bieten. „Die Aufnahme der Heimatvertriebenen ist für die arme Maurergemeinde zum Ruhmesblatt geworden”: schreibt Pfarrer Magnani im Hettinger Heimatbuch „Baulandort Hettingen 1974“

Nach den Plänen des später weltberühmten Architekten Prof. Egon Eiermann baute Pfarrer Magnani, der Gründer der Baugenossen- schaft „Neue Heimat”, die erste kirchliche, soziale Siedlung in Deutschland.

Im harten Winter 1946/47 bestanden die ersten Bauten ihre Feuertaufe.
Die große Materialknappheit zwang zu Behelfsmaterial. Die ersten 14 Häuser des 1. Bauabschnittes wurden mit 2/3 luftgetrockneten Lehmsteinen (Grün- linge) aufgebaut. Nur die Kanten und Tragstellen sind aus lehmgebranntem Material. Von außen wurden die Häuser mit aufgestellten Backsteinen verkleidet. Bei einem Doppelhaus wurden hand- gegossene Zementplatten verwendet.