Aufnahme der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen

„Herab von der Kanzel, hinein in die Not“

Mit diese Worten forderte Pfarrer Magnani seine Mitbrüder und alle, die politische Verantwortung trugen auf, der großen Not zu begegnen, die auf die Gesellschaft zukam.

Über 22 000 Flüchtlinge und Vertriebene kamen in der Zeit vom 26. Februar bis 16. Oktober 1946 im Landkreis Buchen an. Die 20 Transporte, mit denen in unregelmäßigen Abständen zwischen 1000 und 3300 Personen am Bahnhof in Seckach ankamen, wurden alle von Pfarrer Heinrich Magnani in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Caritas-Kreisverbandes Buchen empfangen und in die „Teufelsklinge” geleitet. In dieser Waldschneise zwischen Seckach und Zimmern standen Baracken, die ehemals der halbmilitärischen Bautruppe „Organisation Todt” als Unterkunft dienten, die im nahe gelegenen Gipswerk Seckach untertage kriegswichtige Güter produzierten.

Diese Baracken standen leer und waren notdürftig durch den Landkreis Buchen eingerichtet. Hier verblieben sie einige Zeit und wurden nach der Registrierung den einzelnen Gemeinden des Landkreises zugeteilt.

Ankunft

Nach der Ankunft in der Teufelsklinge und der Zuteilung der Quartiere wurde jeder Transport zu einem Empfangsgottesdienst im Freien eingeladen.

Am großen, aus Eichenstämmen gezimmerten Kreuz gab Pfarrer Magnani den Flüchtlingen und
Heimatvertriebenen zwei Versprechen:

1. „Habt Mut! Wir von der Kirche und Caritas haben in treuer Zusammenarbeit mit Staat, Kreis und Gemeinde eine kirchlicheBaugenossenschaft gegründet und schon mit zwei Siedlungen in Hettingen und Buchen begonnen. Wenn ihr eure Arbeitkraft als notwendiges Eigenkapital zur Verfügung stellt, werdet ihr bald wieder ein eigenes Heim mit Garten haben“.

2. „Wir nehmen uns eurer Kinder an, besonders der Schulentlassenen, die keine Lehrstelle haben und vor allem auch jener, die Vater und Mutter verloren haben oder nicht wissen wo diese sind!“

Arbeit

Jede Möglichkeit der Arbeitsbeschaffung wurde gefördert. Eine Handspinnerei und -weberei ließ sich in Hettingen nieder. Mit den Caritas-Werkstuben entstanden eine Schreinerei und eine Schneiderei.

Unter der energischen und unbürokratischen Leitung von Pfarrer Heinrich Magnani war nach der Gründung der ersten kirchlichen Baugenossenschaft auf deutschem Boden bereits mit dem Bau der Hettinger Siedlung begonnen worden.
Am 17. Okt. 1948 wird der 1. Bauabschnitt einge- weiht. Über 70.000 kostenlose Tagwerkstunden haben die Siedler bis dahin geleistet, um die unren- tierlichen Kosten zu senken.
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