10.134 Briefe erhielt Pfarrer Magnani von den Fronten des Krieges

Jedes Vierteljahr erhielten die Hettinger Soldaten von Pfarrer Magnani ein Feldpostpäckchen. Die Soldaten, die an allen Fronten des Krieges im Einsatz standen, berichteten zurück und so kamen im Laufe der Zeit 10.134 Briefe beim Pfarrer an, die er gut verwahrte und die heute noch erhalten sind. „Der Inhalt dieser Briefe ist ein Ruhmesblatt der Hettinger Soldaten”: so Pfarrer Magnani.

Die Todesnachrichten gefallener Soldaten überbrachte Pfarrer Magnani den Angehörigen persönlich. Zu fast allen Familien im Ort musste er die traurige Nachricht bringen, zu einigen sogar zwei- und dreimal. In dieser großen Not stand er den Familien bei, die den herben Verlust des Mannes, des Vaters, des Sohnes und Bruders zu beklagen hatten. Für jeden gefallenen Heimatsohn fand in der Pfarrkirche ein Trauergottesdienst statt. In seinen Predigten prangerte Pfarrer Magnani in sehr scharfen Worten das sinnlose Sterben der Soldaten an, nur weil das NS-Regime dem Wahn verfallen war, die Welt beherrschen zu wollen.

Der Pfarrer war in der schwierigen Kriegszeit Stütze und Hilfe aller Familien. Dazu war er der Verbindungsmann zu den Soldaten an den Fronten und in den Kasernen. Über 10.000 wohlgeordnete Soldatenbriefe aus der Front, die alle beantwortet worden sind, sind Zeuge für die innige Verbindung mit allen Hettingern in harter Stunde.

 

Weil die Hinterbliebenen nicht zum Grab ihres Gefallenen gelangen konnten, richtete Pfarrer Magnani eine Kriegergedächtniskapelle ein. Der ehemalige Läuteraum des Kirchturmes wurde zu einem Raum des persönlichen Gebets und Gedenkens.

In einer Feierstunde am 12. Dezember 1943 wurde die Kapelle eingeweiht. Das Denkmal aus Holz - vom Bildhauer Fleck aus Tauberbischofsheim gefertigt - zeigt den am Kreuz unter großem Schmerz verschiedenen Heiland, flankiert von vier Holztafeln, auf denen die Namen der Gefallenen eingeschnitzt sind. Davor eine Kniebank und der Blumenschmuck mit Leuchtern. Das Bleiglasbild der Außentüre, ein Kreuz mit Helm darüber, gaben dem Raum eine ganz besondere Note.

Gedächtnisgottesdienst