Pfarrer in Hettingen

Kirche und Pfarrhaus

Kämpferische und aufopferungsvolle Jahre

Kurz nach seiner Ankunft in Hettingen im Herbst 1935, besuchte Vikar Heinrich Magnani seinen schwerkranken Vorgänger Heinrich Augustin Baumbusch in Hainstadt, der von 1909 – 1935 Seelsorger in Hettingen war. Dieser trug mit bebendem Herzen Magnani auf, doch für die Schwestern ein neues Haus zu bauen, denn das alte war ja nur notdürftig eingerichtet und in einen schlechten baulichen Zustand

Sofort lief die Planung für einen Neubau an. Unzählige Anträge waren zu stellen. Zig Pläne wurden verworfen, weil das Haus zu groß, zu aufwendig, zu teuer sei. Ein langes Hin und Her entstand. Ein reger Schriftverkehr und vielerlei Schwierigkeiten, waren zu bewältigen; nicht nur von den staatlichen Stellen, sondern auch mit der Kirchenbehörde.

In all den Turbulenzen behielt Pfarrer Magnani die Oberhand, denn er entzog kurzerhand dem Erzbischöflichen Bauamt Heidelberg die Planungshoheit und setzte seinen Vater (die Eltern wohnten seit November 1935 im Hettinger Pfarrhaus mit dabei) als Planer und örtlichen Bauleiter ein. Ferner teilte Magnani den Behörden mit, dass die Familie Magnani mit ihrem eigen Vermögen für den Neubau haften.

Pfarrer Baumbusch
1931, 25-jähriges Priesterjubiläum von Pfarrer Heinrich Magnani

Pfarrer Magnanis „Piratenstück" mit den gestohlenen Trägern...

Die verschwundenen Eisenträger . . .

und was Pfarrer Magnani damit zu tun hatte . . .

Eine Episode die sich bei den Bauarbeiten zugetragen hat muss hier unbedingt wiedergegeben werden. Die großen Eisenträger, die den Kindergartensaal überspannten, waren durch die Kreisleitung der NSDAP am Buchener Bahnhof beschlagnahmt worden. Eine undichte Stelle in der Kreisleitung gab Pfarrer Magnani den Hinweis, dass niemand etwas machen könnte, wenn die Träger gestohlen würden.

Dieser Wink mit dem Zaunpfahl brachte Pfarrer Magnani auf die Idee, die Stahlträger verschwinden zu lassen. Deshalb organisierte er einige Hettinger Landwirte, die den Abtransport unter seiner Führung tätigen sollten. So fuhren in der Nacht einige Gespanne nach Buchen an den Bahnhof und luden die Eisenträger auf, fuhren sie an die Hettinger Baustelle, wo sie sofort verlegt, eingemauert und mit Mauerwerk überbaut wurden. Damit die Eisenreifen der Holzfuhrwerke auf den Straßen keinen Lärm verursachten, waren diese mit Lumpen und allerlei Polstermaterial umwickelt worden. So wurden ohne großes Aufsehen die Träger nach Hettingen gebracht, wobei Pfarrer Magnani bei diesem unnachahmlichen Piratenstück mit an vorderster Front stand. Von der Kreisleitung wurde keine offizielle Nachforschung betrieben, wo die verschwundenen Eisenträgen abgeblieben waren.