Interessengruppe :100 Jahre Pfarrer Heinrich Magnani Hettingen

Chronik, geschrieben von Karl Mackert


Karl Mackert

Pfarrer Heinrich Magnani bedeutete für mich schon immer als eine große besondere Priesterpersönlichkeit. Seine unermüdlichen Einsätze und Wirken für die ihm anvertrauten Menschen, oftmals Helfer und Retter in letzter Not, haben mich schon immer beeindruckt. Die kämpferische Art, Dinge anzupacken, an die sich niemand traute, in Zeiten, die alles andere als rosig waren, sind Charaktereigenschaften, die nur wenige Menschen besitzen. So hegte ich seit den Tagen der Kindheit große Sympathie zu Pfarrer Heinrich Magnani. Von ihm wurde ich getauft (besitze noch den Karton meiner Taufkerze auf der er mit roter Tinte meinen Namen Karl Ottmar getauft am 09.12 1942 durch Pfarrer Hch. Magnani, geschrieben hat) wurde von Ihm auf die Erstkommunion 1951 vorbereitet und zum Ministrant berufen. Als Ortspfarrer stand Pfarrer Magnani, wie damals üblich, als Firmpate zur Seite und hat mich als ein Angehöriger des letzten Hettinger Jahrgangs, den er als Pfarrer von Hettingen betreute, Ende März 1957 aus der Schule kirchlich ins Leben entlassen.

„Wäschd dess, dass de Opa Henri im Januar 1979 80 Johr ald werd; säh zu dass derm äbbs ümhängt, abber desmol es gröischde“.

In derselben Nacht noch habe ich meinem Nachbar, dem damaligen Landtagsabgeordneten Manfred Pfaus, einen Zettel in den Briefkasten geschmissen mit folgendem Wortlaut: „Am 24. Januar 1979 wird Pfarrer Magnani 80 Jahre alt, bitte beantrage die höchste Ehrung die zu verleihen ist“.
Noch in derselben Woche nahm Ministerpräsident Lothar Späth unsere Bitte zur Bunderatssitzung nach Bonn mit und reichte beim Bundespräsidenten die Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes ein. Normalerweise bedarf eine solche Verleihung eine halbjährige Vorlaufzeit, (über 20 Stellen und Ämter werden befragt ob der Träger diese Ehrung verdient hat und für würdig befunden wird) jedoch hier bei Pfarrer Magnani lag ja bereits eine Ordensakte seit 1952 vor, als ihm Bundespräsident Prof. Theodor Heuss das Bundesverdienstkreuz am Bande und 1958 dann das Bundesverdienstkreuz I. Klasse verlieh.
Innerhalb kurzer Zeit informierte mich Manfred Pfaus, dass die Verleihung rechtzeitig zum Geburtstag erfolgen wird.
So besuchte ich, zusammen mit Pfarrgemeinderat Erich Wünst Pfarrer Magnani in der Klinge und unterrichtete ihn von unserem Vorhaben. Sein Kommentar war, „macht mit mir was ihr wollt, lasst mir aber blos den Kopf auf dem Hals".
Daraufhin informierte ich Ortsvorsteher Alfred Kern und den Pfarrgemeinderat und wir setzten den Tag der Verleihung zwei Tage nach seinem Geburtstag auf den 26. Januar 1979 fest.
In einem Festakt im Lindensaal würdigte Staatssekretär Schneider vom Staatsministerium als persönlich Beauftragter von Ministerpräsident Späth die Lebenswerke des großen Sozialpriesters Heinrich Magnani und überreichte ihm das „Große Bundesverdienstkreuz“, das Bundespräsident Walter Scheel verliehen hatte.

Pfarrer Magnani dankte in seiner ureigensten Weise und wies darauf hin, dass „die Ehrung auch allen Hettinger Frauen und Männer gelte, die ihn so nachhaltig unterstützt haben, auf die er sich in allen schwierigen Lagen und Zeiten rückhaltlos verlassen konnte. Ihnen gelte auch diese hohe Auszeichnung, gleichsam wie ihm".

Anschließend fand in der Hettinger Pfarrkirche ein Dankgottesdienst statt, dem sich dann ein Empfang im Schwesternhaussaal anschloss.

Sein Wunsch, als toter Priester noch einmal in seine geliebte Gemeinde Hettingen zurückzukehren, hatte ihm Ortsvorsteher Alfred Kern am Krankenbett versprochen. So kehrte er einen Tag nach seinem Tode nochmals als Priester zurück, wurde in der Pfarrkirche aufgebahrt, wo abends eine Totenmesse von Ortspfarrer Rudolf Hauck zusammen mit noch mehreren weiteren Geistlichen gefeiert wurde. Die Hettinger Feuerwehr stand Ehrenspalier die ganze Nacht vor geöffnetem Sarge, ehe der tote Priester und langjährige Seelsorger, Geistliche Rat Pfarrer Heinrich Magnani, anderntags ins Jugenddorf Klinge überführt wurde. Im feierlichen Totenoffizium von Abt Laurentius Hoheisel von der Abtei Grüssau/Wimpfen und über 50 Mitbrüder zelebriert, würdigte Domkapitular Dr. Otto Bechtold Freiburg / Rinschheim, ein ehemaliger Latein- und Englisch-Schüler von Pfarrer Magnani, in seiner Totenpredigt auch im Auftrag des Erzbischofs Dr. Oskar Saier die große Priesterpersönlichkeit des Erzbistums Freiburg, ehe dann seine sterbliche Hülle unter großer Anteilnahme der gesamten Klingebewohner und vieler ehemaliger Hettinger Pfarrkinder sowie aus Mannheim und Ettlingen zur letzten Ruhe auf dem Klingefriedhof beigesetzt wurde.

Heinrich-Magnani-Straße und Gedenkstein in der Siedlung

Schon immer war mir an der Siedlung in Hettingen zu wenig von Pfarrer Magnani sichtbar. Deshalb schlug ich vor, nachdem die Gemeinde Hettingen schon einige Jahre zuvor den damaligen Kettelerweg, jener Straße zwischen dem I. und II. Bauabschnitt in Heinrich Magnani Straße umbenannte, anläßlich der 50 Jahrfeier der Siedlung im Jahre 1996 dort einen Gedenkstein für den Gründer dieser Siedlung aufzustellen, was leider zum damaligen Zeitpunkt nicht zum tragen kam. Dank des damaligen Ortsvorstehers Willi Ellwanger, der sich dieser Sache vehement annahm, konnte dann im Jubiläumsjahr 1999 ein Gedenkstein eingeweiht werden, der am ersten Hause der Siedlung steht.

Gründung einer Interessengruppe Pfarrer Heinrich Magnani

Etwa zwei Jahre vor dem 100. Geburtstag und 20. Todestag von Pfarrer Magnani im Jahre 1999, trug ich mich mit dem Gedanken, es muß etwas geschehen. Nach reiflicher, gründlicher Überlegung und Rücksprache mit einigen Persönlichkeiten des Ortes sowie auch Auswärtiger, habe ich dann Hettinger Bürgerinnen und Bürger zwecks Gründung einer Interessengruppe, die das Vermächtnis von Pfarrer Heinrich Magnani wachhält und an die nächste Generation weiter gibt, auf den 1.April 1998 in den Hettinger Bürgersaal eingeladen.
Meiner Einladung haben folgenden Hettinger Mitbürgerinnen und Mitbürger Folge geleistet:
Hans Altmann, Lissel Schnerr, Martin Kirchgeßner, Ottilie Gremminger. Else Kirchgeßner, Willi Kirchgeßner, Erich Wünst, Willi Ellwanger, Alfred Kern, Adolf Mackert, Emil Mackert und ich.

Ich wurde zum Sprecher der
„Interessengruppe 100 Jahre Pfarrer Heinrich Magnani Hettingen“ bestimmt, denn ich hatte schon im Vorfeld an viele Archive, von kirchlichen (auch an den Vatikan) und staatlichen Stellen gewandt und diese gebeten, alles was über Pfarrer Magnani wichtig ist, uns zur Verfügung zu stellen.
So gelangten wir an viele Schriftstücke und auch Bilder und konnten so eine Ausstellung vorbereiten.

Ausstellung und Festveranstaltung zum 100. Geburtstag

Während das Jugenddorf Klinge die Festlichkeiten zum 100. Geburtstag im Januar 1999 begingen, haben wir am 20. Todestag, 2. Juli 1999, die Festveranstaltung mit Gedenkgottesdienst, Einweihung des Gedenksteines an der Siedlung sowie Festakt mit Ausstellungseröffnung begangen. Auftakt war sogar eine einstündige Live-Radiosendung über das Wirken von Pfarrer Magnani am Freitagmorgen 2. Juli 1999 aus dem Lindensaal, wobei Karl Mackert, Ottilie Gremminger, Emil Mackert, Alfred Kern, Felix Müller (Hartheim / Bremgarten) Willi Ellwanger und Pfarrer Peter Schoisengeyer dem SWR 4 Reporter Martin Gärtner Rede und Antwort standen.
Diese Dokumentation mit vielen Bilder und Schriftstücken war dann acht Tage lang für die Öffentlichkeit zugänglich und wurde stark frequentiert.

Gedenkstube Pfarrer Heinrich Magnani

Damals schon hegte man den Entschluß, diese Dokumentation nicht irgendwo im stillen Kämmerlein verstauben zu lassen, sondern dies in einer Dauerausstellung der Allgemeinheit zugänglich zu machen.
Im Frühjahr 2006, nachdem das benötigte Geld, das durch viele private Spender sowie der Stadt Buchen, der Gemeinde Hettingen, dem Heimatverein Hettingen, der Egon Eiermann-Gesellschaft Karlruhe und des Mäzen Dietmar Hopp, Walldorf aufgebracht war, ging man ans Werk.
In dankenswerter Weise hat sich unser Mitbürger, Werbegrafiker und Kommunuikations-Designer Jürgen Blatz, dieser Sache mit Herzblut angenommen. Er war nach Sichtung des vorhandenen Bild und Schriftmaterials so beeindruckt, dass er spontan seine künstlerische Arbeit kostenlos zu Verfügung stellte.
Dafür möchte die IG 100 Jahre Pfarrer Heinrich Magnani Hettingen, Jürgen Blatz ein aufrichtiges „Vergelts Gott“ sagen und feststellen, dass ohne diese kostenlose Gestaltung von Jürgen Blatz wir finanziell nicht in der Lage gewesen wären, die Projekt zu schultern.
Mit einem Festakt am Freitag, den 28. September 2007 im Hettinger Lindensaal, wurden die Schautafeln der - Pfarrer Heinrich Magnani Gedenkstube – in Anwesenheit zahlreicher Festgäste und politischer und kirchlicher Ehrengäste eingeweiht. „Zeitzeichen auf den Spuren und Wegen von Ehrenbürger Pfarrer Geistlicher Rat Heinrich Magnani“, unter diesem Motto hielt Karl Mackert die Festansprache, die durch eine von Jürgen Blatz gestaltete multimediale Computerpräsentation unterlegt war, über das Leben und Wirken dieses großen Seelsorgers von der Wiege bis zur Bahre. Mit der Gedenkstube will die IG. „als Zeitzeuge“ kommenden Generationen aufzeigen, was ein Pfarrer, Priester und Seelsorger in schwieriger Zeit durch die totale Unterstützung seiner Hettinger Pfarrkinder zu leisten imstande war. Mit berechtigten Stolz darf Hettingen auf diese Leistungen blicken, die durch Pfarrer Magnani und unsere Vorfahren geleistet wurden. Hettingen war ein Modellfall für ganz Deutschland bei der Bekämpfung der Wohnungsnot nach dem II. Weltkrieg.
Die „Pfarrer Heinrich Magnani Gedenkstube", die sich im Hettinger Rathaus zeigt, darf für sich in Anspruch nehmen, lebende Zeitgeschichte wieder zu spiegeln und lohnt sich allemal, besucht zu werden.

Ansprechpartner: Karl Mackert Tel. 06281 / 30 37
E-mail: Karl.Mackert@gmx.net

Adolf Macker, Willi Ellwanger, Karl Mackert